Automatik-Türen

Posted by Derek on November 22, 2014 in Der Pendler |

Normalerweise ist die Strecke Hamburg-Cuxhaven das Gnadenbrot für längst ausrangierte Züge. Waggons, von denen man glaubte die Reichsbahn hätte sie schon ausgesondert, fristen hier ihr Dasein. Die Versehrtengarde aus Lokomotiven und Waggons einigt ein Sammelsurium an Aufklebern, Bahnverbund Westfalen, Schleswig-Holstein mobil, Netzkarte Großraum Hannover. Ab und an haften auch Streckenpläne aus Rostock in den Wagen – die wollten die Dinger auch nicht mehr haben. Manche dieser Volkssturmvehikel erliegen denn auch ob der Belastung wie die Diesellok, die vor zwei Jahren im Bahnhof Buxtehude ausbrannte.

Aber neben diesem bunten Holzklassemix befährt ein Irrläufer diese Strecke. Neu hergerichtet, mit blauen Polstersitzen, Fenstern die sich einfach öffnen lassen und: Automatik-Türen. Diese sind immer wieder Anlaß für heiteren Spaß und ihre Entwicklungsingenieure müssen sich auf die Schenkel geklatscht und eingenässt haben bei deren Entwicklung. Grundsätzlich ist die Idee der Automatik-Tür nicht schlecht. All die zeltgeborenen Nomaden, die während der Reise ruhelos durch die Abteile streifen wie hospitalistische Puma, vermögen in Unkenntnis über die Funktion von Türen diese nicht zu schließen. OK, werden sich die Bahningenieure gedacht haben, öffnete sich die Tür halt auf leichten Druck und schließt sich von alleine wieder.

Der Alltag: Mütterchen auf Reisen mit einem Koffer, der den Hausstand von Großfamilien bergen kann. Energische Ziehen an der Tür, da sie aus Erfahrung weiß, daß die D*..dinger ja immer klemmen. Elastisch schwingen die Türhälften nach rechts und links, das festgeklammerte Mütterchen wird mitgezogen und stürzt faßt über ihre Kofferbarriere. Jetzt muß sie sich erstmal rappeln, packt den Koffer und zerrt ihn durch den eben entstandenen Eingang. Die Türen schwingen zurück. Panisch zerrt sie am Koffer, damit dieser nicht zermalmt wird, stemmt sich mit dem Arm gegen die Tür. Nach Sekunden des hin- und herwogenenden Kampfes schwingen die Türen gnädig zur Seite, mit einem Ruck torkelt die Frau ins Abteil. Alle Fahrgäste schauen angestrengt aus den Fenstern.

Alltag 2: Ärmelloses T-Shirt, unangezündete Fluppe im Mundwinkel, der klassische Kandidat, der Türen grundsätzlich aus weltanschaulichen Erwägungen aufläßt. Tür schwingt auf, durchschreiten. Nun fällt ihm zum ersten Mal im Leben ein, diese wieder zu schließen. Mit aller im Fitness-Studio erarbeiteter Kraft wird nun an den Griffen gerissen und geschoben, bis die Tür gegen den Widerstand der Mechanik geschlossen ist. Mit einem angedeuteten Zucken des Mundwinkels quittiert er seine Leistung und setzt seinen Weg fort.

Alltag 3: Eine Schlange von aussteigenden Fahrgästen durchschreitet die Tür. 3-2-1 – fallbeilartig sausen die Türen auf die achte Person nieder, die im Austiegsknäuel zwischen den Türen stehenbleiben mußte.

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